Analyse Ihres Gartens — Planung einer funktionalen, raumbezogenen Umgebung für alle
In einer städtischen Umgebung bietet ein Garten mehr als nur einen Rückzugsort für eine Verschnaufpause. Er trägt massgeblich zur Unterstützung und Erhaltung der Artenvielfalt bei und erbringt wesentliche Ökosystemleistungen in einer zunehmend belasteten Umwelt.
Haben wir das Potential unserer Gärten erkannt, können wir damit beginnen, sie im Hinblick auf unsere persönlichen Bedürfnisse zu prüfen, ebenso wie darauf, wie viel wir davon teilen können.
Wie im Leitartikel bereits erwähnt, kann die Begrünung von Dächern viele wichtige Vorteile mitbringen. Größere Pflanzen und Bäume brauchen aber genug Erde und Wasser, um richtig zu wachsen und zu gedeihen – und viele Dächer sind dafür einfach nicht gebaut.
Wenn es nicht möglich ist, einen geeigneten Lebensraum zu schaffen, passt man die Begrünungsstrategie am besten an und wählt leichtere, resilientere Pflanzen.
Die ersten Planungsschritte für einen Garten in der Stadt
1) Welche Bedürfnisse soll Ihr Garten erfüllen und wie sieht es mit dem Platz aus, der zur Umsetzung dieser Ziele benötigt wird?
Beinhaltet Ihre Gartenvision:
- Früchte und Gemüse für den Eigenbedarf, wie z. B. ein Kräuterbeet oder Obstbäume
- Ein Bereich, in dem Ihre Kinder sicher spielen oder Ihr Haustier frei herumlaufen kann
- Ein Wasserelement wie z.B. ein Teich, ein Vogelbad oder ein Regengarten, der den Abfluss von Regenwasser mindert
- Ein Wintergarten, eine Terasse, ein Schuppen oder Ähnliches
2) Welche Elemente sind im Garten bereits vorhanden?
In vielen Fällen beginnt man nicht bei Null, sondern nimmt das Bestehende in die Planung mit auf:
- Bauwerke wie ein Pavillon, ein Grillplatz, eine Schaukel oder ein Spielbereich für Kinder
- Wie ist der Zustand der Bäume, Sträucher, Stauden? Sind sie reine Zierpflanzen oder bieten sie auch Futter für Wildtiere oder Nahrung für Sie? Die Beurteilung der bestehenden Pflanzen hilft dabei festzustellen, wofür sich der Boden eignet und welche weiteren Pflanzen in Frage kommen.
- Gibt es einen Teich, einen kleinen Bach oder eine Vogeltränke? Nebst dem dekorativen Aspekt bieten diese Elemente wertvolle und willkommene Frischwasserquellen für die Tierwelt.
Hinterhofgärten sind ein Mosaik aus Bedürfnissen, Vorlieben und Lösungen © Louis Reed / Unsplash
3) Entsprechen die vorhandenen Elemente Ihren persönlichen Vorstellungen?
Wenn nicht, was fehlt oder sollte entfernt werden?
4) Pflegeaufwand
Die persönlichen Vorstellungen bestimmen mit, wie gepflegt oder natürlich ein Teil oder der gesamte Gartenraum aussehen soll. Je grösser das Bedürfnis nach einem gepflegten Erscheinungsbild ist, desto grösser ist auch der Bedarf an regelmässiger Gartenarbeit.
Für viele Pflanzenarten stehen zwar zahlreiche Informationen zur Verfügung, aber sobald sie gepflanzt sind, lässt sich oft nicht vorhersagen, wie sie auf die verfügbaren Licht-, Wasser- und Bodenverhältnisse sowie auf ihre Nachbarn reagieren werden.
Eines ist jedoch gewiss: Pflanzen, die gut gedeihen, können grösser werden, als ursprünglich gedacht. Inwieweit wir in der Lage sind, unsere Vorstellungen von unserem Traumgarten weiterzuentwickeln, bestimmt folglich den Umfang der Pflege mit. Der wachsende, sich entwickelnde Garten erfordert einen hohen Grad an Flexibilität seitens des Gartenbesitzers.
Auf diesem Bild ist ein junger Baum direkt neben dem Zaun gepflanzt, ohne Platz zum Wachsen: Er wird gegen den Zaun drücken und teilweise auf das Nachbargrundstück wachsen.
Muss der Baum nach 3–5 Jahren gefällt werden?
Sobald Sie alle Ihre persönlichen Anforderungen an den Garten festgelegt haben, halten Sie diese am besten in einem einfachen Plan fest, und beachten dabei auch was bereits vorhanden ist und welche Elemente hinzugefügt oder entfernt werden sollen..
Greifen Sie hierfür zu Stift und Papier. Dies wird Ihnen helfen, den weiteren Ablauf festzulegen und zu sehen, wie viel Raum für die Tierwelt zur Verfügung stehen könnte:
- Einheimische Wildbienen
- Schmetterlinge und andere Bestäuberinsekten
- Vögel
- Kleine Säugetiere wie Igel oder Maulwürfe
Es kann hilfreich sein, eine Luftaufnahme Ihres städtischen Gartenbereichs mit Google Earth (oder einem ähnlichen Programm) einzuholen.
Was genau umfasst das “Teilen” Ihres Gartens eigentlich?
Im nächsten Abschnitt “Lebensräume für sich und alle anderen schaffen” werden einfache Strategien zur Schaffung von Lebensräumen für Wildtiere vorgestellt.
Über die Autorin:
Naomi Zürcher ist praktizierende Urban Forester, Consulting Arborist und Chartered Environmentalist mit über 40 Jahren Berufserfahrung in ihrer Heimat New York und nun auch in der Schweiz. Ihre Arbeit umfasst das gesamte Spektrum der Urban Forestry und -verwaltung, sowohl in der Praxis als auch in der angewandten Forschung. Sie ist als Programmmanagerin, Gastdozentin, eingeladene (Co-)Autorin und assoziiertes Mitglied des i-Tree-Teams sowie anderer internationaler Netzwerke tätig.