Kurzanleitung

Gesunde Gärten von heute für das Klima von morgen, Teil 1 -Introduktion

Stadtgrün

Diese Reihe praktischer Kurzanleitungen hilft dabei, den eigenen Garten auf ökologisch sinnvolle Weise anzulegen.

Einführung in urbane Gärten

Obwohl es zahlreiche anerkannte Gartenstile gibt, ist ein Garten im Grunde ein kreativer Prozess, dem sich sein Gestalter im Wechselspiel mit der Natur hingibt.
Er ist ein fortlaufendes Projekt — ein sich ständig änderndes Ökosystem, in dem sich die Vorstellungen des Gärtners weiterentwickeln. Von entscheidender Bedeutung ist dabei auch der wesentliche Beitrag, den die Gärten von heute zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und zur Abschwächung der Klimakrise leisten.
Private Gärten in Städten, insbesondere in Europa, sind ein wichtiger Teil des Urban Forest1. Er wird als ein Ökosystem definiert, das sich durch das Vorhandensein von Bäumen, der damit verbundenen Flora, Pilzen und Fauna, den Böden und Landschaften, in denen sie leben, sowie die Luft- und Wasserressourcen, mit denen sie koexistieren, auszeichnet – all dies in dynamischer Verbindung mit Menschen und ihren Lebensräumen 2.
In vielen unserer älteren europäischen Städte gibt es nicht genügend Platz für Bäume und städtisches Grün, zudem werden ehemals vorhandene Flächen inzwischen häufig durch neue Gebäude und asphaltierte Bereiche besetzt. Daher sind es unsere privaten Gärten, die dazu beitragen, diesen Mangel auszugleichen und uns selbst, unserer unmittelbaren Nachbarschaft und darüber hinaus Nutzen zu bringen.
Der urban forest verbindet öffentliche Räume und private Gärten und fördert das Wohl aller Bewohner. Luftbild © Ahnaf Tahsin / Unsplash
Gärten können als Ort der Entspannung dienen… © Naoki Suzuki / Unsplash

Dieser Bereich hat grösstenteils Potenzial für Nachhaltigkeit, jedoch ist die Verwendung von Asphalt für den Bereich unter dem Picknicktisch und den Stühlen weder nachhaltig noch entspannend an einem heissen Sommertag, da es keinerlei Schatten gibt und die undurchlässige Oberfläche die Wärme zurückstrahlt.

Eine bessere Wahl für einen harten Belag wäre die Verwendung von Trockenmauersteinen wie Belgian Block, porösen oder durchlässigen Pflastersteinen, die den Urban-Heat-Island-Effekt (UHI) reduzieren und die Bodengesundheit sowie die Wasserinfiltration und -filtration verbessern.

… und als lokale Quelle für frische Lebensmittel.
Urbane Parzellen © Karen Roe / Flickr

Schönheit ist nicht immer nachhaltig – wie bestimmen wir, was nachhaltig ist und was nicht?

Wie diese Auswahl an Fotos zeigt, gibt es viele verschiedene Stile der städtischen Gartengestaltung. Wenn wir jedoch möchten, dass unsere städtischen Gartenflächen gedeihen, müssen wir bei der Gestaltung mehr als nur Schönheit und Ästhetik im Blick haben. Wir müssen nachhaltige natürliche Systeme berücksichtigen, um sowohl unseren eigenen Wünschen als auch den Bedürfnissen der Vielfalt gerecht zu werden, die wir in unseren städtischen Gartenflächen einladen.

Schauen wir uns diese Fotos also unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit genauer an.
Versteckte Stadtlandschaften schaffen. Dachgarten, Toni Areal, Zurich © Roland Bernath / Archdaily Magazine

Dachgärten können einen grossen Beitrag zur Verringerung des städtischen Wärmeinseleffekts leisten, aber viele Dächer sind aufgrund ihres zusätzlichen Gewichts durch die erforderliche Erde und Bewässerung baulich nicht für die Bepflanzung mit Bäumen ausgelegt. Darüber hinaus kann die Tiefe der Erde, die auf dem Dach aufgebracht werden kann, die Auswahl der Pflanzen, die gepflanzt und gepflegt werden können, erheblich einschränken.

Auf dieser Grundlage wurde ein erfolgreicher Ansatz entwickelt, der sich auf die Welt der Alpenpflanzen konzentriert, insbesondere auf Sedum – sonnenliebende, trockenheitstolerante, pflegeleichte, immergrüne Stauden, die zwar regelmässig bewässert werden müssen, aber extreme Hitze und Kälte vertragen und keine tiefen, nährstoffreichen Böden benötigen. Neben der Verbesserung der Luftqualität sorgt ihr dichtes Wachstum für eine zusätzliche Isolierung des Dachbereichs, wodurch Energieverbrauch und Kosten gesenkt werden. Auch Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber lieben sie.

Manchmal gibt es „private“ Gärten in öffentlichen Räumen. Der Bordstein-Garten, Copenhagen © kreetube/Flickr

Dieser Gehweggarten verfügt zwar über trocken verlegte Pflastersteine, aber man hat vergessen, dass sich die Wurzeln des Baumes unterhalb und weit über den Bordstein hinaus ausbreiten werden.

Der angrenzende versiegelte Gehweg wird den Bedürfnissen der Wurzeln leider nicht sehr gut gerecht. Stattdessen hätte man den trockenen Belag weiterführen sollen, was eine deutlich verbesserte und nachhaltige Wachstumsumgebung geschaffen hätte.

Der Stadtgarten erfüllt verschiedene Zwecke. Innenhof © Nick Night / Unsplash

This garden design has taken many steps to address sustainability except for the use of turf within the tree canopy footprint, remembering that trees and turf do not coexist well at all and, given the potential longevity of trees and what they contribute to the environment as well as human wellbeing, we should reduce our use of turf which has no benefits and only increases negatives.

What is also problematic is using the base of the tree for storage, increasing compaction and reducing air and moisture exchange.

In Städten kann der urban forest auch vertikal sein. Pflanzen im Gebäude © Jun Young Liew / Unsplash

Dieser unglückliche kosmetische Versuch, unsere Städte zu begrünen, hat absolut nichts mit Nachhaltigkeit zu tun. Bäume gehören nicht in kleine Kästen auf Balkonen, irgendwo hoch oben in der Luft. Sie gehören in den Boden, in echte, lebendige Erde, die von Mikroorganismen, Wirbellosen und Mykorrhiza-Gemeinschaften bevölkert ist, von denen sie und ihr Wurzelsystem für ihre Ernährung abhängig sind.

Bäume sollten zu ihrem langfristigen Wachstum befähigt werden, zu dem sie durchaus in der Lage sind, anstatt sie kurzfristig als Schmuck zu betrachten, was zu einem frühen Verfall und vorzeitigem Tod führt.

Wie sieht der Traumgarten aus?
Virtueller Garten, computergeneriertes Bild

Es scheint, dass versucht wurde, einen Steingarten anzulegen, jedoch mit einer Übermenge an wasserdichtem Material (UHI), ohne Schatten und ohne Bezug zum alpinen Ökosystem, das die Grundlage für Steingärten bildet. Zudem:

  • Die Verwendung von sterilem Torf für die Hauptwege verringert die Biodiversität und Nachhaltigkeit und erhöht gleichzeitig den Bedarf an Ressourcen wie Bewässerung und mykorrhizazerstörenden Düngemitteln.
  • Der Ersatz einer organischen Schicht, vorzugsweise kompostierter Rindenmulch, durch Kies erhöht wiederum den UHI und verringert gleichzeitig die Bodengesundheit und Biodiversität.

Erfolgreiche Gärten entstehen am besten auf der Grundlage eines gesunden, florierenden Bodenökosystems. Die Unterstützung und Erhaltung dieses Ökosystems wird in dem Leitfaden „A basic soil primer – determining what your soil can successfully grow” (Grundlagen der Bodenkunde – Bestimmen, was Ihr Boden erfolgreich wachsen lassen kann) ausführlich behandelt.

Wie auch immer wir uns unseren Garten vorstellen und welche Bedürfnisse dieser Raum für jeden von uns erfüllen soll, ist es entscheidend, dass wir auch das sichtbare und unsichtbare Leben berücksichtigen, das ein Garten versorgt. Dieses Leben ist Teil des kleinen Ökosystems, das wir schaffen, und trägt dazu bei, unser eigenes Wohlbefinden zu erhalten.
Unsere Kurzanleitungen decken verschiedene Aspekte der Planung und Pflege eines privaten Gartens in einem städtischen Umfeld ab und sollen Ihnen dabei helfen, Ihre Vorstellungen aus ökologischer Sicht erfolgreich umzusetzen:
Je nach Interesse und Bedarf können Sie die oben erwähnten Beiträge aufrufen.
Wir hoffen, dass die Informationen, die wir auf unserer Webseite bereitstellen, Sie bei der Verwirklichung Ihrer Vision eines urbanen Gartens unterstützen und all dem Leben zugute kommen, das Ihr Garten beherbergt.
Über die Autorin:

Naomi Zürcher ist praktizierende Urban Forester, Consulting Arborist und Chartered Environmentalist mit über 40 Jahren Berufserfahrung in ihrer Heimat New York und nun auch in der Schweiz. Ihre Arbeit umfasst das gesamte Spektrum der Urban Forestry und -verwaltung, sowohl in der Praxis als auch in der angewandten Forschung. Sie ist als Programmmanagerin, Gastdozentin, eingeladene (Co-)Autorin und assoziiertes Mitglied des i-Tree-Teams sowie anderer internationaler Netzwerke tätig.

Referenzen:
  1. Anmerkung der Redaktion: Wir behalten die englischen Originalbegriffe bei, obwohl es deutsche Übersetzungen für Urban Forestry (Urbane Forstwirtschaft), Urban Forest (Stadt- oder Urbane Wälder), Urban Forester (Urban FörsterIn) und Arborist (BaumpflegerIn) gibt. Damit wollten wir verdeutlichen, dass es immer noch relevante Unterschiede in der Definition und im alltäglichen Sprachgebrauch von Fachleuten in den USA und im Vereinigten Königreich im Vergleich zu denen in der Schweiz und im deutschsprachigen Raum gibt, die zum Teil auf historische und kulturelle Unterschiede in der Entwicklung von Forstwirtschaft und Raum- oder Stadtplanung zurückzuführen sind. ↩︎
  2. Zürcher, N. (2022). Connecting Trees with People – Synergistic Strategies for Growing the Urban Forest. Springer Nature Cham Switzerland ISBN 978-3-030-94533-6 ↩︎